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Rezyklatanteil berechnen: Schritt für Schritt

Rezyklatanteil nach PPWR Art. 7 korrekt berechnen: Mindestquoten 2030/2040, Formel je Fertigungsbetrieb und Nachweis in der technischen Dokumentation, Schritt für Schritt.

Oskar CornelissenOskar CornelissenCo-Founder & CLO, RegulyVeröffentlicht am 20.07.2026 · 9 Min Lesezeit
Gepresste Kunststoffballen in einer Recyclinganlage — Ausgangsmaterial für Rezyklat
Inhalt
  1. Was ist der Rezyklatanteil nach der PPWR?
  2. Wie hoch sind die Mindestquoten 2030 — und 2040?
  3. Wie berechne ich den Rezyklatanteil je Fertigungsbetrieb?
  4. Muss jede einzelne Verpackung die Quote erfüllen?
  5. Was zählt als Post-Consumer-Rezyklat?
  6. Welche Verpackungen sind ausgenommen?
  7. Wie weise ich den Rezyklatanteil nach?

Den Rezyklatanteil nach PPWR Art. 7 berechnen Sie nicht pro Verpackung, sondern als Jahresdurchschnitt je Fertigungsbetrieb und je Verpackungstyp: Post-Consumer-Rezyklat geteilt durch die gesamte eingesetzte Kunststoffmenge derselben Kategorie. Ab 2030 gelten gestaffelte Mindestquoten (30/10/30/35 %), ab 2040 steigen sie deutlich (50/25/65/65 %). Der Nachweis gehört in die technische Dokumentation (Anhang VII). Die EU-Konformitätserklärung (Anhang VIII) nennt keine Rezyklatwerte.

Was ist der Rezyklatanteil nach der PPWR?

Der Rezyklatanteil ist der Massenanteil an recyceltem Kunststoff in einer Kunststoffverpackung. Die PPWR (Art. 7) verpflichtet den Erzeuger, ab dem 1. Januar 2030 in jedem Kunststoffanteil seiner Verpackungen einen Mindestanteil an Post-Consumer-Rezyklat einzusetzen. Ziel ist es, Nachfrage nach Rezyklat zu schaffen und den Materialkreislauf zu schließen.

Wichtig zur Abgrenzung: Der Rezyklatanteil (Art. 7) ist ein anderes Thema als die Recyclingfähigkeit (Art. 6, Bewertungsklassen A/B/C). Recyclingfähigkeit fragt, ob eine Verpackung recycelt werden kann; der Rezyklatanteil fragt, wie viel recyceltes Material bereits in ihr steckt. Beide Pflichten gelten parallel und dürfen nicht verwechselt werden.

Wie hoch sind die Mindestquoten 2030 — und 2040?

Die Quoten sind nach Verpackungstyp gestaffelt. Ab dem 1. Januar 2030 gelten die niedrigeren Stufen, ab dem 1. Januar 2040 steigen sie deutlich. Maßgeblich ist stets der PET- bzw. Nicht-PET-Charakter kontaktsensitiver Verpackungen und die Sonderkategorie der Einweg-Getränkeflaschen.

Mindestquote ab 01.01.2030

  • Kontaktsensitiv, PET-Hauptbestandteil: 30 %
  • Kontaktsensitiv, andere Kunststoffe als PET: 10 %
  • Einweg-Getränkeflaschen (Kunststoff): 30 %
  • Alle übrigen Kunststoffverpackungen: 35 %

Mindestquote ab 01.01.2040

  • Kontaktsensitiv, PET-Hauptbestandteil: 50 %
  • Kontaktsensitiv, andere Kunststoffe als PET: 25 %
  • Einweg-Getränkeflaschen (Kunststoff): 65 %
  • Alle übrigen Kunststoffverpackungen: 65 %

Wie berechne ich den Rezyklatanteil je Fertigungsbetrieb?

Sie berechnen keinen Wert pro Einzelstück, sondern einen gewichteten Jahresdurchschnitt. Die Formel lautet: eingesetzte Masse Post-Consumer-Rezyklat geteilt durch die gesamte eingesetzte Kunststoffmasse — jeweils bezogen auf einen Fertigungsbetrieb, ein Kalenderjahr und einen Verpackungstyp bzw. ein -format. Das Ergebnis vergleichen Sie mit der Mindestquote der jeweiligen Kategorie.

  • Verpackungen kategorisieren: kontaktsensitiv PET / kontaktsensitiv Nicht-PET / Einweg-Getränkeflaschen / übrige.
  • Je Kategorie und Fertigungsbetrieb die im Jahr eingesetzte Gesamt-Kunststoffmasse erfassen.
  • Davon den Anteil an nachgewiesenem Post-Consumer-Rezyklat bestimmen (Herkunftsnachweise sichern).
  • Rezyklatanteil = Rezyklatmasse ÷ Gesamt-Kunststoffmasse × 100, als Jahresdurchschnitt der Kategorie.
  • Gegen die Mindestquote (2030 bzw. 2040) prüfen und die Lücke je Kategorie dokumentieren.

Rechenbeispiel — Kategorie „übrige Kunststoffverpackungen“, Zielquote 35 % ab 2030: Ein Fertigungsbetrieb produziert in einem Jahr 200 Tonnen dieser Verpackungen. Charge A (120 t) enthält 45 % Post-Consumer-Rezyklat, Charge B (80 t) nur 20 %. Rezyklatmasse gesamt = 120 t × 45 % + 80 t × 20 % = 54 t + 16 t = 70 t. Jahresdurchschnitt = 70 t ÷ 200 t = 35 %. Die Quote ist damit genau erfüllt — obwohl Charge B mit 20 % einzeln klar darunter liegt. Genau das ist der Sinn des Durchschnittsprinzips: schwächere Chargen dürfen durch stärkere ausgeglichen werden.

Muss jede einzelne Verpackung die Quote erfüllen?

Nein. Die Quote gilt als Jahresdurchschnitt je Fertigungsbetrieb und Verpackungstyp — nicht pro Einzelstück. Eine einzelne Flasche oder Schale muss die Prozentzahl also nicht exakt treffen. Entscheidend ist, dass der über das Kalenderjahr gemittelte Rezyklatanteil der gesamten Kategorie die Mindestquote erreicht oder überschreitet.

Was zählt als Post-Consumer-Rezyklat?

Angerechnet wird ausschließlich Post-Consumer-Rezyklat — also recyceltes Material aus Kunststoffabfällen, die bei Endverbrauchern angefallen und getrennt gesammelt wurden. Eigener Produktionsabfall, der nie in Verkehr gebracht wurde (Post-Industrial bzw. Pre-Consumer), zählt nicht. Diese Unterscheidung ist die häufigste Fehlerquelle und entscheidet über die Belastbarkeit Ihres Nachweises.

Welche Verpackungen sind ausgenommen?

Art. 7 nennt mehrere Ausnahmen von der Rezyklatpflicht. Für diese Verpackungen müssen Sie die Mindestquote nicht erfüllen — die Ausnahme sollten Sie jedoch dokumentieren, damit sie in der Prüfung belegbar ist.

  • Kompostierbare Kunststoffverpackungen.
  • Verpackungen für gefährliche Güter (Gefahrgut).
  • Kontaktsensitive Lebensmittelverpackungen, bei denen Rezyklat ein Gesundheitsrisiko darstellen würde.
  • Kunststoffteile, die weniger als 5 % des Gesamtgewichts der Verpackungseinheit ausmachen.
  • Weitere Sonderfälle im Arzneimittel- und Medizinbereich (siehe Art. 7 im Detail).

Wie weise ich den Rezyklatanteil nach?

Den erreichten Rezyklatanteil dokumentieren Sie in der technischen Dokumentation nach Anhang VII. Die EU-Konformitätserklärung (DoC) nach Anhang VIII bestätigt nur die Konformität und enthält selbst keine Rezyklatwerte. Der Nachweis muss die Kategorisierung, den berechneten Jahresdurchschnitt je Fertigungsbetrieb sowie die Herkunftsnachweise des Post-Consumer-Rezyklats umfassen. Sobald der Durchführungsrechtsakt die verbindliche Methode festlegt, richten Sie die Berechnung exakt danach aus.

Rechtsgrundlage
PPWR Art. 7 (Mindestrezyklatanteil)
Geltungsbeginn PPWR
12.08.2026 (Art. 71)
Quoten greifen ab
01.01.2030 · verschärft ab 01.01.2040
Berechnungsbasis
Jahresdurchschnitt je Fertigungsbetrieb & Verpackungstyp
Anrechenbar
nur Post-Consumer-Rezyklat
Nachweis
Technische Dokumentation (Anhang VII), nicht die DoC
  1. 12.08.2026

    Geltungsbeginn PPWR

    Die Verordnung (EU) 2025/40 wird anwendbar (Art. 71).

  2. voraussichtlich Ende 2026

    Durchführungsrechtsakt zur Methodik

    Verbindliche Berechnungs- und Überprüfungsmethode — Frist am Rechtsstand prüfen.

  3. 01.01.2030

    Mindestquoten greifen

    30 % / 10 % / 30 % / 35 % je Kategorie, als Jahresdurchschnitt.

  4. 01.01.2040

    Verschärfte Quoten

    50 % / 25 % / 65 % / 65 % je Kategorie.

Für den Materialeinkauf und die Verpackungsentwicklung bedeutet das: Kategorisieren Sie früh, sichern Sie Rezyklat-Herkunftsnachweise vertraglich ab und rechnen Sie die Lücke zu 2030 heute schon durch. So vermeiden Sie kurzfristige Beschaffungsengpässe bei zertifiziertem Post-Consumer-Rezyklat.

  • Verordnung (EU) 2025/40 (PPWR), Art. 7 — Mindestrezyklatanteil in Kunststoffverpackungen.
  • PPWR Art. 6 — Recyclingfähigkeit (separates Thema, Bewertungsklassen A/B/C).
  • PPWR Art. 71 — Inkrafttreten und Geltungsbeginn (12.08.2026).
  • PPWR Anhang VII — technische Dokumentation; Anhang VIII — EU-Konformitätserklärung.

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