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PPWR seit August 2026: Was jetzt sofort gilt

Die neue EU-Verpackungsverordnung gilt seit dem 12. August 2026.

Jan CrienenJan CrienenCo-Founder & CEO, RegulyVeröffentlicht am 12.08.2026 · 8 Min Lesezeit
Countdown zum PPWR-Geltungsbeginn am 12. August 2026
Inhalt
  1. Was seit dem 12.08.2026 tatsächlich verlangt wird
  2. Wen es trifft: die Rolle hängt an der Verpackung
  3. Was Lieferanten liefern müssen und was nicht
  4. Sanktionen: erst ab Februar 2027 und meist begrenzt
  5. Was erst später kommt

Seit dem 12. August 2026 gilt die EU-Verpackungsverordnung (PPWR, VO (EU) 2025/40) unmittelbar in allen Mitgliedstaaten. Vollzug und Bußgelder regelt in Deutschland das VerpackDG. Dieser Artikel ordnet aus heutiger Sicht ein, was seit dem Stichtag tatsächlich verlangt wird, wen es trifft und was erst mit den ausstehenden Rechtsakten kommt.

  1. 11.02.2025

    Inkrafttreten

    Die PPWR tritt in Kraft (Art. 71). Für Mehrwegverpackungen, die ab diesem Tag in Verkehr gebracht werden, gelten später die Kriterien des Art. 11.

  2. 12.08.2026

    Geltungsbeginn

    Konformitätsbewertung, technische Dokumentation und EU-Konformitätserklärung (DoC) müssen für die geltenden Anforderungen vorliegen. Die RL 94/62/EG ist aufgehoben.

  3. 12.02.2027

    Bußgelder in Deutschland

    Erst ab diesem Tag sind Verstöße gegen die Konformitätspflichten bußgeldbewehrt (§ 68 Abs. 17 VerpackDG), meist bis 10.000 €. Bis dahin verlangen Behörden Abhilfe.

  4. 2028 bis 2029

    Kennzeichnung nach Art. 12

    Das Sortierlabel gilt frühestens ab 12.08.2028, realistisch 2029, weil der Durchführungsrechtsakt noch fehlt.

  5. 01.01.2030

    Art. 6, 7 und 10

    Recyclingfähigkeit, Rezyklatanteil und Minimierung werden Pflicht, jeweils mit Vorbehalt der delegierten Rechtsakte.

Was seit dem 12.08.2026 tatsächlich verlangt wird

Wo eine Vorschrift kein eigenes Datum nennt, gilt sie seit dem Stichtag. Das sind im Kern Art. 5 Abs. 1, 4 und 5 sowie Art. 11, dazu die Erzeugerangaben nach Art. 15 Abs. 5 und 6. Für diese Anforderungen braucht der Erzeuger eine technische Dokumentation nach Anhang VII und eine unterschriebene DoC nach Anhang VIII. Das Verfahren ist Modul A, also interne Fertigungskontrolle ohne notifizierte Stelle.

  • Art. 5 Abs. 1: Besorgniserregende Stoffe auf ein Mindestmaß beschränken. Ein Grenzwert fehlt, es genügt eine Stoffinventur mit Risikobewertung und eine SVHC-Erklärung des Lieferanten.
  • Art. 5 Abs. 4: Blei, Cadmium, Quecksilber und Chrom VI zusammen höchstens 100 mg/kg je Bestandteil, einschließlich Farben, Etiketten und Verschlüssen. Der Nachweis gehört in die technische Dokumentation.
  • Art. 5 Abs. 5: PFAS-Grenzwerte nur bei Lebensmittelkontakt: 25 ppb je PFAS, 250 ppb in Summe, 50 ppm einschließlich polymerer PFAS. Ein Gesamtfluorwert unter 50 mg/kg deckt nach Kommissionslinie alle drei Werte ab.
  • Art. 11: Mehrwegverpackungen müssen die Kriterien a bis i erfüllen. Die Unterlagen sind zehn Jahre aufzubewahren.
  • Art. 15 Abs. 5 und 6: Kennung sowie Name und Anschrift des Erzeugers auf der Verpackung oder in den Begleitpapieren.

Wen es trifft: die Rolle hängt an der Verpackung

Je Verpackung gibt es genau einen Erzeuger. Das ist, wer eine Verpackung unter eigenem Namen oder eigener Marke herstellt oder herstellen lässt (Art. 3 Nr. 13). Bei Verkaufs- und Umverpackungen ist das in der Regel der Befüller oder Markeninhaber, bei neutraler Transportverpackung der Hersteller des Kartons, der Folie oder der Palette. Dieselbe Firma ist also für ihre bedruckte Faltschachtel Erzeuger, für den neutralen Versandkarton aber nicht.

Rolle

Erzeuger (Art. 15)

DoC und technische Dokumentation
Ja, selbst ausstellen, 5 Jahre aufbewahren (Mehrweg 10 Jahre)
Was stattdessen zu tun ist
Lieferanten nach Art. 16 um Angaben bitten, auf Verlangen binnen 10 Tagen vorlegen

Rolle

Lieferant (Art. 16)

DoC und technische Dokumentation
Nein
Was stattdessen zu tun ist
Dem Erzeuger alle Informationen und Unterlagen aushändigen, Form frei

Rolle

Importeur (Art. 18)

DoC und technische Dokumentation
Nein, außer bei Eigenmarke (Art. 21)
Was stattdessen zu tun ist
DoC-Kopie bereithalten, eigenen Namen und Anschrift auf die Verpackung

Rolle

Vertreiber (Art. 19)

DoC und technische Dokumentation
Nein, außer bei Eigenmarke (Art. 21)
Was stattdessen zu tun ist
Registrierung, Kennung und Erzeugerangaben prüfen, keine DoC-Pflicht
Alle Wirtschaftsakteure müssen nach Art. 22 fünf bzw. zehn Jahre nennen können, von wem sie Verpackungen bezogen und an wen sie geliefert haben.

Was Lieferanten liefern müssen und was nicht

Lieferanten stellen keine DoC aus. Sie händigen dem Erzeuger nach Art. 16 alle Informationen und Unterlagen aus, die er für den Nachweis braucht, auf Papier oder elektronisch, in verständlicher Sprache. Eine Unterschrift, ein Formular oder eine Gültigkeitsdauer schreibt das Gesetz nicht vor. Branchenpraxis ist eine datierte, artikelbezogene Erklärung mit Name und Funktion der erklärenden Person und einer Zusage, Änderungen zu melden. Prüfberichte sind nur bei Risikomaterial sinnvoll, etwa Weich-PVC, bedruckten Teilen aus Drittländern oder Papier mit Lebensmittelkontakt. Zertifikate verlangt die PPWR heute nirgends.

Sanktionen: erst ab Februar 2027 und meist begrenzt

In Deutschland vollziehen die Länder nach dem Marktüberwachungsgesetz. Bußgelder für fehlende oder unvollständige Bewertung, fehlende Aufbewahrung oder verspätete Vorlage sind erst ab dem 12.02.2027 möglich und betragen meist höchstens 10.000 €. Wer eine vollziehbare Anordnung missachtet, riskiert bis zu 100.000 €. Die Kommission erwartet, dass Behörden zuerst Abhilfe verlangen und erst dann Rücknahme oder Rückruf anordnen. Gegen Lieferanten, die Art. 16 ignorieren, sieht das VerpackDG kein Bußgeld vor.

Geltungsbeginn
12.08.2026 (Art. 71)
Heute geschuldet
Art. 5 Abs. 1, 4, 5, Art. 11, Erzeugerangaben Art. 15 Abs. 5/6
Bußgelder
ab 12.02.2027, meist bis 10.000 € (§ 66, § 68 Abs. 17 VerpackDG)
Vorlagefrist
10 Tage nach begründetem Verlangen (Art. 15 Abs. 10)
Noch offen
Rechtsakte zu Art. 6, 7, 11 Abs. 2, 12 und 24

Was erst später kommt

  • Recyclingfähigkeit (Art. 6): Leistungsstufen erst nach dem delegierten Rechtsakt, fällig 01.01.2028. Klassen ab 01.01.2030. Bis dahin genügt eine Selbstbewertung, etwa nach EN 13430.
  • Rezyklat (Art. 7): Mindestanteile ab 01.01.2030, nur Post-Consumer-Material zählt. Der Durchführungsrechtsakt zur Berechnung ist für Ende 2026 geplant.
  • Minimierung (Art. 10): ab 01.01.2030. Bis dahin gilt EN 13428 weiter mit Konformitätsvermutung.
  • Kennzeichnung (Art. 12): Sortierlabel frühestens 12.08.2028, Mehrweglabel frühestens 12.02.2029, realistisch 2029.
  • Leerraum (Art. 24): ab 2030 beim Befüller, nicht Teil der DoC.

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