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EmpCo-Richtlinie: Was bei Umweltaussagen jetzt gilt und wie Sie Greenwashing-Risiken vermeiden

Seit dem 27. September 2026 sind pauschale Umweltaussagen und selbst vergebene Siegel unzulässig. Was die EmpCo-Richtlinie verlangt und wie Sie Ihre Aussagen belegen.

Jan CrienenJan CrienenCo-Founder & CEO, RegulyVeröffentlicht am 23.06.2026 · 9 Min Lesezeit
Verbraucherin prüft Nachhaltigkeitsangaben an einem Produktregal
Inhalt
  1. Was die EmpCo-Richtlinie ist
  2. Was verboten ist und was erlaubt bleibt
  3. Was das für Verpackungen bedeutet
  4. Wer Verstöße verfolgt
  5. So gehen Sie vor

„Umweltfreundlich", „klimaneutral", „nachhaltig verpackt": Solche Aussagen standen lange auf Verpackungen, Websites und in Werbung, oft ohne dass klar war, worauf sie sich stützen. Mit der EmpCo-Richtlinie (EU) 2024/825 hat die EU dem einen Riegel vorgeschoben. Seit dem 27. September 2026 gelten die neuen Regeln in Deutschland. Dieser Beitrag erklärt, was die Richtlinie verbietet, was weiterhin erlaubt ist, was das konkret für Verpackungen bedeutet und wie Sie Ihre Aussagen so aufstellen, dass sie einer Prüfung standhalten.

Rechtsgrundlage
Richtlinie (EU) 2024/825 (EmpCo)
Umsetzung in Deutschland
Drittes Gesetz zur Änderung des UWG
Gilt seit
27. September 2026
Betrifft
Verpackung, Website, Onlineshop, Social Media, Werbung

Was die EmpCo-Richtlinie ist

EmpCo steht für „Empowering Consumers for the Green Transition", also die Stärkung der Verbraucher für den ökologischen Wandel. Die Richtlinie ändert die bestehenden EU-Regeln gegen unlautere Geschäftspraktiken und gegen irreführende Werbung. Sie richtet sich nicht an eine bestimmte Branche, sondern an alle Unternehmen, die gegenüber Verbrauchern mit Umwelt- oder Nachhaltigkeitsmerkmalen werben. In Deutschland wurde sie über eine Änderung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) umgesetzt.

Der Grundgedanke ist einfach: Wer mit einer Umwelteigenschaft wirbt, muss sie belegen können, und die Aussage muss so konkret sein, dass Verbraucher sie verstehen und überprüfen können. Allgemeine Versprechen, die nach gutem Gewissen klingen, aber nichts Messbares sagen, sind nicht mehr zulässig.

  1. März 2024

    In Kraft getreten

    Die EmpCo-Richtlinie (EU) 2024/825 tritt auf EU-Ebene in Kraft.

  2. 27. März 2026

    Umsetzungsfrist

    Die Mitgliedstaaten müssen die Richtlinie in nationales Recht überführt haben.

  3. 27. Sept. 2026

    Anwendung

    Die neuen Regeln gegen irreführende Umweltaussagen gelten im Geschäftsverkehr.

  4. Bis 2028

    Altbestände

    Für Waren, die vor dem Stichtag in Verkehr gebracht wurden, gilt eine befristete Übergangsregel.

Was verboten ist und was erlaubt bleibt

Die Richtlinie ergänzt die Liste der Geschäftspraktiken, die immer als unlauter gelten, ohne dass im Einzelfall eine Irreführung nachgewiesen werden muss. Die wichtigsten Punkte für die Kommunikation:

Unzulässig

  • Pauschale Aussagen wie „umweltfreundlich", „öko", „grün" oder „klimafreundlich" ohne anerkannte hervorragende Umweltleistung
  • Aussagen, ein Produkt sei klimaneutral oder habe geringere Emissionen, wenn das allein auf CO₂-Kompensation beruht
  • Selbst vergebene Nachhaltigkeitssiegel ohne Zertifizierungssystem oder staatliche Festlegung
  • Aussagen über das ganze Produkt oder Unternehmen, die nur einen Teilaspekt betreffen
  • Gesetzliche Pflichten als besonderes Merkmal des eigenen Angebots darstellen

Erlaubt, mit Nachweis

  • Konkrete, belegte Angaben, etwa „Flasche aus 50 % recyceltem PET"
  • Aussagen, die klar sagen, auf welchen Teil des Produkts sie sich beziehen
  • Siegel aus anerkannten Zertifizierungssystemen oder von Behörden
  • Aussagen zur künftigen Umweltleistung mit überprüfbarem Umsetzungsplan
  • Echte Mehrleistung, die über gesetzliche Vorgaben hinausgeht

Was das für Verpackungen bedeutet

Verpackungen sind einer der häufigsten Orte für Umweltaussagen. Gerade hier treffen EmpCo und die EU-Verpackungsverordnung (PPWR) aufeinander: Die PPWR legt fest, wann eine Verpackung recyclingfähig ist und wie hoch ihr Rezyklatanteil sein muss. Die EmpCo-Richtlinie regelt, wie Sie darüber sprechen dürfen.

  • „Recyclingfähig": Die Aussage sollte sich auf eine nachvollziehbare Bewertung stützen und klarstellen, ob sie für die ganze Verpackung oder nur für einzelne Teile gilt.
  • „Aus recyceltem Material": Nennen Sie den Anteil und beziehen Sie ihn auf die richtige Komponente. Der Nachweis kommt aus denselben Lieferantendaten wie Ihre PPWR-Dokumentation.
  • „Plastikfrei" oder „weniger Plastik": Die Aussage muss für die gesamte Verpackung stimmen oder klar eingegrenzt werden, und ein Vergleich braucht eine nachvollziehbare Bezugsgröße.
  • Eigene Symbole: Grüne Blätter, Weltkugeln oder selbst gestaltete Recycling-Logos können als Siegel verstanden werden. Ohne Zertifizierung sind sie riskant.
  • Pflichten als Vorteil: Wer eine Eigenschaft bewirbt, die ohnehin gesetzlich vorgeschrieben ist, etwa die Einhaltung von Stoffgrenzwerten, stellt eine Pflicht als Besonderheit dar.

Wer Verstöße verfolgt

Verstöße gegen das UWG werden in Deutschland vor allem zivilrechtlich verfolgt. Mitbewerber, Wettbewerbsverbände und Verbraucherschutzorganisationen können abmahnen und auf Unterlassung klagen. Das bedeutet in der Praxis: Umgestaltete Verpackungen, zurückgerufene Werbemittel, Vertragsstrafen und Anwaltskosten. Gerade bei gedruckten Verpackungen ist eine nachträgliche Korrektur teuer, weil Bestände vernichtet oder überklebt werden müssen.

So gehen Sie vor

  • Aussagen erfassen: Sammeln Sie alle Umweltaussagen auf Verpackungen, Etiketten, Website, Onlineshop, Social Media und in Werbung.
  • Bewerten: Ist die Aussage konkret? Bezieht sie sich auf das ganze Produkt oder einen Teil? Gibt es einen Nachweis?
  • Nachweise sichern: Legen Sie zu jeder Aussage die Belege ab, etwa Lieferantenangaben zu Rezyklat oder Material, Prüfberichte oder Zertifikate.
  • Siegel prüfen: Behalten Sie nur Siegel aus anerkannten Systemen. Eigene Logos ersetzen oder streichen.
  • Umformulieren: Pauschale Aussagen durch konkrete ersetzen, zum Beispiel „Verpackung zu 80 % aus Altpapier" statt „umweltfreundlich verpackt".
  • Aktuell halten: Ändert sich Material oder Lieferant, muss die Aussage erneut geprüft werden.

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Geschrieben von

Jan CrienenJan CrienenCo-Founder & CEO, Reguly