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Technische Dokumentation vs. DoC: Was gehört ins PPWR-Dossier?

Konformitätserklärung nach Anhang VIII oder technische Dokumentation nach Anhang VII — was ist der Unterschied, was gehört wohin, und warum die Erklärung ohne die Dokumentation nichts wert ist.

Ben KoenigsBen KoenigsCo-Founder & CPO, RegulyVeröffentlicht am 03.08.2026 · 7 Min Lesezeit
PPWR-Dossier aus Konformitätserklärung nach Anhang VIII und technischer Dokumentation nach Anhang VII
Inhalt
  1. Der Unterschied in einem Satz
  2. Was gehört in die technische Dokumentation?
  3. Was gehört in die Konformitätserklärung?
  4. Warum die Erklärung ohne die Dokumentation nicht trägt
  5. Wer muss was — Erzeuger, Importeur, Bevollmächtigter
  6. Ein Dossier je Verpackung, nicht je Produktlinie

Die Kurzfassung vorweg: Das sind keine Alternativen, sondern zwei Teile desselben Nachweispakets. Die EU-Konformitätserklärung nach Anhang VIII ist die rechtsverbindliche Zusage, dass Ihre Verpackung die Anforderungen erfüllt. Die technische Dokumentation nach Anhang VII ist der Beleg, auf den sich diese Zusage stützt. Wer nur die Erklärung unterschreibt, ohne die Dokumentation dahinter aufzubauen, hat ein Dokument — aber keinen Nachweis.

Konformitätserklärung
Anhang VIII — die Zusage
Technische Dokumentation
Anhang VII — der Beleg
Bezugsgröße
Je Verpackung, nicht je Produktlinie
Aufbewahrung
5 Jahre Einweg / 10 Jahre Mehrweg

Der Unterschied in einem Satz

Die Konformitätserklärung sagt, dass etwas stimmt. Die technische Dokumentation zeigt, warum es stimmt. Die Erklärung ist ein kurzes, unterschriebenes Dokument mit wenigen Pflichtfeldern; die Dokumentation ist die dahinterliegende Sammlung aus Beschreibungen, Berechnungen, Prüfberichten und Lieferantennachweisen. Im Verfahren nach Modul A — interne Fertigungskontrolle — erstellen Sie beides selbst, ohne eingeschaltete Prüfstelle. Genau deshalb ist die Dokumentation so wichtig: Es gibt keinen Dritten, der für Sie bestätigt, dass die Erklärung trägt.

Verbreiteter Irrtum

  • Die Konformitätserklärung ist der eigentliche Nachweis.
  • Ein Dossier deckt eine ganze Produktfamilie ab.
  • Die Dokumentation lässt sich nachreichen, wenn die Behörde fragt.
  • Eine Lieferantenzusage per E-Mail genügt als Beleg.
  • Die Minimierungsbegründung kann entfallen, weil sie sich nicht messen lässt.
  • Einmal erstellt, bleibt das Dossier gültig.

So ist es

  • Die Erklärung verweist auf die Dokumentation — diese trägt den Nachweis.
  • Jede Verpackung braucht ihr eigenes Dossier.
  • Zehn Tage Vorlagefrist reichen nur für Unterlagen, die schon geordnet vorliegen.
  • Worauf die Dokumentation verweist, muss abgelegt und auffindbar sein.
  • Sie ist Teil der Dokumentation — auch als nachvollziehbare Begründung.
  • Ändert sich das Material, ändert sich die Bewertung. Ohne Versionierung fehlt der Nachweis für den Zeitpunkt des Inverkehrbringens.

Was gehört in die technische Dokumentation?

Anhang VII gibt den Rahmen vor, nicht ein starres Formular. Sie müssen nachvollziehbar machen, dass jede einschlägige Anforderung geprüft wurde und mit welchem Ergebnis. Das umfasst in der Praxis:

  • Beschreibung der Verpackung: Aufbau, Komponenten, Materialien, Gewichte, Verwendungszweck.
  • Herstellungsprozess: wie und wo die Verpackung gefertigt wird, inklusive relevanter Zulieferschritte.
  • Stoffliche Anforderungen: Grenzwerte für Schwermetalle, Angaben zu besorgniserregenden Stoffen wie PFAS.
  • Minimierung von Volumen und Gewicht: die Begründung, warum die Verpackung nicht kleiner oder leichter ausfällt.
  • Recyclingfähigkeit: die Bewertung nach den Design-for-Recycling-Kriterien, sobald der delegierte Rechtsakt vorliegt (Leistungsstufen ab 2030).
  • Rezyklatanteil bei Kunststoffteilen (Pflicht ab 2030): der berechnete Jahresdurchschnitt je Fertigungsbetrieb und Verpackungstyp, mit Herkunftsnachweisen.
  • Prüfberichte und Messergebnisse, soweit sie nötig sind: Bei geringem Risiko genügt eine Lieferantenerklärung, bei Risikomaterial braucht es einen Prüfbericht.

Was gehört in die Konformitätserklärung?

Deutlich weniger — und genau das führt zu dem verbreiteten Missverständnis, die Erklärung sei der eigentliche Aufwand. Sie identifiziert die Verpackung eindeutig, benennt den Erzeuger, erklärt die Konformität mit den Anforderungen der Verordnung, verweist auf die angewandten Normen und schließt mit Ort, Datum, Name, Funktion und Unterschrift. Sie enthält keine Prüfergebnisse. Sie verweist auf sie.

Warum die Erklärung ohne die Dokumentation nicht trägt

Mit der Unterschrift unter die Konformitätserklärung übernehmen Sie die Verantwortung für die Aussage, die darin steht. Kommt die Marktüberwachung und fordert die Unterlagen an, wird nicht die Erklärung geprüft — die ist unstrittig, Sie haben sie ja selbst ausgestellt. Geprüft wird, ob die Dokumentation dahinter die Aussage stützt. Fehlt sie oder ist sie lückenhaft, steht eine unterschriebene Zusage ohne Grundlage im Raum. Das ist regulatorisch die schlechtere Position, als gar nichts erklärt zu haben.

Wer muss was — Erzeuger, Importeur, Bevollmächtigter

  • Erzeuger: führt die Konformitätsbewertung durch, erstellt die technische Dokumentation und stellt die Konformitätserklärung aus. Die deutsche Fassung der Verordnung spricht von „Erzeuger", nicht von „Hersteller".
  • Importeur: hält zusätzlich eine Kopie der EU-Konformitätserklärung bereit (Art. 18 Abs. 7) und muss sicherstellen, dass die technische Dokumentation auf Verlangen verfügbar ist.
  • Bevollmächtigter: darf die Unterlagen aufbewahren und vorlegen und die Erklärung vorbereiten, die technische Dokumentation aber nicht selbst erstellen (Art. 17). Die Verantwortung bleibt beim Erzeuger.
  • Lieferanten: liefern die Nachweisunterlagen zu, die in Ihre Dokumentation eingehen (Art. 16). Eine eigene Konformitätserklärung schulden sie nicht, und anfordern müssen Sie die Unterlagen selbst.

Ein Dossier je Verpackung, nicht je Produktlinie

Der häufigste strukturelle Fehler: ein Sammelordner für eine ganze Produktfamilie. Die Nachweispflicht bezieht sich auf die Verpackung als Produkt. Zwei Varianten derselben Marke mit unterschiedlichem Material, Gewicht oder Lieferanten sind zwei Verpackungen — und brauchen zwei Dossiers. Bei einer Ausnahme wird es praktisch: Der Rezyklatanteil nach Art. 7 wird nicht pro Verpackung ermittelt, sondern als Jahresdurchschnitt je Fertigungsbetrieb und Verpackungstyp. Dieser eine Wert geht dann in mehrere Dossiers ein.

Die Konformitätserklärung kostet eine Stunde. Die technische Dokumentation kostet die Vorarbeit eines halben Jahres — und entscheidet, ob die Erklärung im Prüffall standhält.

  • Verordnung (EU) 2025/40 (PPWR), ABl. L 2025/40 vom 22.1.2025 — insb. Art. 5–11, 15, 16, 17, 18, 39; Anhang VII und VIII.
  • Konformitätsbewertung nach Modul A (interne Fertigungskontrolle) — ohne eingeschaltete notifizierte Stelle.

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Beide Teile in einem Dossier

Reguly erstellt die Konformitätserklärung und baut daraus das vollständige Nachweispaket nach Anhang VII — je Verpackung, an einem Ort abgelegt.

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Geschrieben von

Ben KoenigsBen KoenigsCo-Founder & CPO, Reguly